Bis vor circa einem Jahr habe ich an ihre Existenz geglaubt: die SUPER-MAMA. Stets gut gelaunt, perfekt gestylt, schlank und sportiv meistert sie ihren Alltag zwischen zwei bis drei Kleinkindern, weiter steil verlaufender Karriere und rundum erfüllter Beziehung.

Ich sehe sie an jeder Ecke: Sie trägt Chloe-Täschchen, die Kinder skandinavische Designer – teuer aber nicht zu aufgesetzt. Eingekauft wird am Samstag auf dem Biomarkt. Die Kinder werden mit dem Christania Bike in die Kita gebracht. Alles ökologisch korrekt. Es wird selbst gekocht und gebacken – gesund, kalorienarm und ohne weißen Zucker. Mindestens dreimal die Woche Sport. Mindestens zweimal die Woche Sex. Einmal in der Woche ein Treffen mit Freunden.

DIE KARRIERE

Gearbeitet wird viel: Morgens, auf dem Weg ins Büro, schon mal E-Mails checken. Dann sechs bis sieben Stunden vorort. Ab 15:30 Uhr, auf dem Weg zur Kita, schnell noch im Taxi der letzte Call. Die eine oder andere E-Mail wird noch vom Spielplatz verschickt. Weiter geht es abends wenn die Kinder im Bett sind. Das ist kein Problem. Schließlich ist sie gut organisiert und stets motiviert, den Anforderungen des modernen Berufslebens zu entsprechen.

IHRE KINDER

Die Kinder sind trotz Karriere das wichtigste für die SUPER-MAMA. Sie werden frühkindlich mit Englisch, Musik und Sport gefördert. Wünsche bleiben selten offen: Kindergeburtstage sind Motto-Partys. Jedes Kind besitzt noch vor dem zweiten Geburtstag Laufrad und Roller, mit spätestens drei kommt das Fahrrad dazu. Geschimpft oder bestraft wird selten. Man setzt auf Erklärungen: “Max, Mama möchte nicht, dass du Fritz mit der Schaufel haust. Das tut dem Fritz doch weh. Lass das deshalb, ja?”

DER SUPER-PAPA

Das alles funktioniert so gut, weil sie mit einem perfekten Ehemann gesegnet ist. Er nimmt zwei Monate Elternzeit, um Zeit mit der Familie zu verbringen. Hier wird gereist. Zurück im Alltag, bringt er die Kinder morgens in die Kita. An den Wochenenden genießt er die kostbare Zeit mit dem Nachwuchs bei Besuchen im Schwimmbad oder Zoo. Für ihn ist das der perfekte Ausgleich zu seinem Beruf als Unfall-Chirurg, Pilot oder Manager in den Medien. Beide Elternteile sind sich darüber einig: Alles zum Besten der Kinder!

DIE SUPER-MAMA UND ICH

Ich wäre gerne diese SUPER-MAMA. Ich habs ein Jahr lang versucht: Mit einem gut bezahlten Job als Online-Projektleiterin in Teilzeit, meinem (fast) perfekten Mann, einer Oma zur Unterstützung sowie zwei 10-Stunden-Kita-Plätze für meine (fast) perfekten, fröhlichen und unkomplizierten Kinder.

Wir waren gut organisiert und perfekt ausgestattet, nur glücklich waren wir nicht. Denn wir waren müde. Rund 365-Tage im letzten Jahr. Vor allem mein Mann und ich, aber auch unsere zwei Töchter. Irgendwas war immer: Carla zahnt, Juna hat Schnupfen – nachts alle zwei Stunden wach. Am nächsten Tag trotzdem pünktlich um 8:00 Uhr im Büro. Da läuft mal wieder alles drunter und drüber. Keine Mittagspause, kein Kaffee. Ich muss ja pünktlich um 15:00 Uhr los, die Kinder abholen. Der Alltag wird zum Sprint. Die Wochen sind anstrengend. Die Wochenenden mit zwei Kleinkindern genauso.

Ich habe mich dann von ihr verabschiedet, von der SUPER-MAMA. Werde ein Jahr von Zuhause aus arbeiten – vor allem an FAMILICIOUS.de als Herzens-Projekt. Das bedeutet mehr Freude an der Arbeit und weniger Stress für mich. Kürzere Kita-Zeiten und einen entspannteren Alltag für die Kinder. Eine glücklichere Frau für meinen Mann. Für uns alle auch weniger Geld. Dafür aber mehr Zufriedenheit. Nach dem Jahr schauen wir dann, wie es mit uns weiter geht – mit der SUPER-MAMA und mir.

Und wenn ich sie jetzt vorbeigehen sehe, die SUPER-MAMAS, dann sehe ich manchmal kurz, wie müde sie sind. Aber nur einen kleinen Moment….

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