Ich habe eine Idee: Was wäre, wenn Väter ECHTE Elternzeit machen würden. Also nicht nur die obligatorischen zwei Vatermonate nehmen, in denen es mit der kompletten Familie auf Reisen geht. Sondern zuhause bleiben, während die Frauen in den Job zurückkehren und sich für ein paar Monate voll auf den Wiedereinstieg konzentrieren. Wenn er einkauft, kocht, den Haushalt schmeißt, die Wäsche macht, die Kinder in die Kita und ins Bett bringt und Geschenke für die Geburtstage der Nachbarskinder besorgt – ganz alleine.

Heute nimmt in Deutschland fast jeder dritte Vater Elternzeit – meist zwei Monate. Mütter steigen nach durchschnittlich 19 Monaten Auszeit wieder in den Job ein. Das ist eine echte Entwicklung, wenn man bedenkt, dass Frauen noch 2005 für rund fünf Jahre zuhause waren, weil es einfach keine Betreuungsmöglichkeiten für Kinder im Kita-Alter gab – und kaum ein Vater Elternzeit genommen hat (Nido Ausgabe 11/2014).

Trotzdem verteilen die meisten Paare die Arbeit rund um Haushalt und Kinder doch eher traditionell. Frauen übernehmen den Großteil der Elternzeit und arbeiten im Anschluss in Teilzeit weiter. Männer nehmen zwei Vatermonate und arbeiten dann weiter in Vollzeit. Haushalt und Kinder fallen auch nach der Elternzeit in den Aufgabenbereich der Teilzeit arbeitenden Mütter. Die Väter arbeiten nur am Abend oder an den Wochenenden zuhause zu.

Das hat meiner Meinung nach vor allem zwei Gründe:

1. DAS LIEBE GELD
Noch immer ist es so, dass Männer meist besser verdienen als Frauen. Da ist es nur logisch, dass der Mann seinen Job weiter in Vollzeit ausübt und die Frau erst Elternzeit nimmt und dann ihre Stunden im Job reduziert. So wird das Haushaltseinkommen möglichst wenig belastet.

2. DIE GEWOHNHEIT
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und in der Elternzeit, in der die Frau meist voll zuhause bleibt und der Mann – wenn überhaupt – für zwei Monate als Backup dazu kommt, haben sich viele Dinge eingespielt. Mama weiß einfach am besten, welche Geschichte der Nachwuchs am Abend lesen möchte, was im Kühlschrank sein muss und wie die Waschmaschine funktioniert. Sie kümmert sich deshalb auch nach der Rückkehr in den Job weiter um diese Dinge und arbeitet in Teilzeit.

Deshalb noch einmal meine Frage: Was wäre, wenn Väter in Zukunft ECHTE Elternzeit nehmen, in denen sie herausfinden, wie das ist, als Vollzeit-Papa alles zu machen? Die tollen und die schlimmen Dinge. In denen sie den Haushalt schmeißen und die Hauptperson für den Nachwuchs sind. Monate, in denen Mütter lernen, Verantwortung abzugeben (und das fällt den wenigsten Müttern leicht) und ihre Männer aus dem weichen Nest der „Mama macht das“-Zeit geschmissen werden.

Vielleicht würde das dazu führen, dass Eltern die Aufgaben zuhause auch nach der Elternzeit anders verteilen. Einfach, weil beide im Thema sind: Auch Papa hat im Blick, wer wann zur U-Untersuchung muss oder eine neue Jacke braucht. Vielleicht würden sogar mehr Männer auf den Geschmack kommen und ebenfalls ein paar Stunden im Job reduzieren – gegen alle Wiederstände und finanziellen Bedenken. Das wären dann Stunden, die Mütter mehr arbeiten könnten – damit einen relevanteren Teil des Haushaltseinkommens beisteuern, ihre Renten sichern und weiter Karriere machen würden. Die 32-Stunden-Woche für Mama und Papa. Wünschen tun sich laut Nido (Ausgabe 11/2014) 50 Prozent aller Eltern ein solches Modell – wenigstens in der Theorie.

Deshalb liebe Mütter, denkt an meine Worte, wenn ihr die nächste Elternzeit plant. Und ich weiß, es ist ein Dilemma: Zwei Monate gemeinsame Zeit sind eine einmalige Chance, Zeit mit der Familie auf Reisen zu verbringen. Es sind aber vielleicht auch genau die Monate, die darüber entscheiden, wie euer Leben nach der Elternzeit aussieht. Deshalb nutzt die Elternzeit eurer Männer für euren Wiedereinstieg in den Job. Übergebt ihm die Verantwortung zuhause und genießt es, euch zwei Monate voll auf den Job konzentrieren zu können. Findet heraus, dass der Nachwuchs auch so bestens aufgehoben ist und lasst eure Männer selbständig werden, in dieser neuen Konstellation als arbeitendes Paar mit Kind.

Denn das ist wichtige Voraussetzung für einen Alltag nach dem 50/50 Prinzip, in dem Paare sich in gleichem Maße um Kinder, Haushalt und Job kümmern. Und es ist ein erster Schritt dazu, die Teilzeitarbeit aufzuwerten: Tschüss Halbtagsmutti. Hallo 32-Stunden-Woche für Eltern!

Klingt doch super und kostet – vielleicht wirklich – nur einen Urlaub.

UND ÜBRIGENS: Auch Tobi und ich haben die Elternzeit bei beiden Kindern für Reisen genutzt. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, das anders zu machen. Das war auch eine tolle Zeit für uns als Familie. Ich würde trotzdem gegen einen Alltag nach dem 50/50 Prinzip tauschen. Vielleicht ja beim nächsten Kind. Schatz, wir müssen reden…

WAS MEINT IHR? WIR FREUEN UNS AUF KOMMENTARE.

 

BUCHTIPP

In ihrem Buch „Papa kann auch stillen: Wie Paare Kind, Job & Abwasch unter einen Hut bekommen.“ zeigen Stefanie Lohaus und Tobias Scholz wie es ist, den Alltag nach dem 50/50-Prinzip zu teilen.

Foto: Dragon30./ Quelle PHOTOCASE

 

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