Levke Timmann ist Geschäftsführerin der Online-Agentur For Sale Digital. Sie selbst ist Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Töchtern (22 und 20 Jahre alt). Wie schwierig es ist, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen, weiß sie deshalb aus eigener Erfahrung.

Ihr Werdegang ist eine echte Teilzeit-Erfolgsgeschichte: Sie hat bei For Sale Digital als Office Managerin mit 20 Stunden pro Woche angefangen, hat sich dann mehrere Jahre um das Thema Personal gekümmert und letztendlich die Geschäftsführung der Agentur übernommen.

For Sale Digital ist eine der wenigen Agenturen, die flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle in allen Positionen möglich macht. Wir haben mit Levke dazu gesprochen, welche Herausforderungen eine familienfreundliche Personalpolitik mit sich bringt.

Levke, vielen Dank für das spannende Gespräch!

 

Levke Timmann ist Geschäftsführerin bei For Sale Digital, einer Online Agentur in Hamburg. Wie familienfreundliche Personalpolitik, Diversity, Work Life Balance, flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle funktionieren, das erzählt sie uns im Working-Mom Interview auf FAMILICIOUS.de

 

WIE HAST DU SELBST JOB UND FAMILIE UNTER EINEN HUT BEKOMMEN?

Als meine erste Tochter auf die Welt gekommen ist, hatte ich einen Job als Redaktionsassistentin bei einem Verlag. Da konnte man nach der Elternzeit nur voll wieder einsteigen oder gar nicht. Ein Recht auf Teilzeit gab es nicht. Deshalb bin ich nach einem Jahr Elternzeit in Vollzeit zurückgekehrt und mein Mann hat die Kinderbetreuung übernommen. Dass ein Vater Elternzeit macht, war vor 20 Jahren noch eine echte Seltenheit. So sehr, dass die Mopo einen doppelseitigen Bericht über uns geschrieben hat.

Beim zweiten Kind habe ich drei Jahre Elternzeit genommen. Wir haben parallel ein Haus gebaut und Krippenplätze gab es damals kaum, vor allem nicht für Kinder unter drei Jahren.  Da war es für mich geradezu unmöglich, neben zwei Kindern und Hausbau auch noch zu arbeiten.

Als meine Töchter fünf und drei Jahre alt waren, hat sich dann eine Position im Office Management bei For Sale Digital ergeben. Ich bin in Teilzeit mit 20 Stunden pro Woche eingestiegen. Beides unter einen Hut zu bekommen – meine Familie und den Job – war trotzdem nicht immer einfach. Wie jede Mutter habe ich mich oft zwischen den Dingen eingezwängt gefühlt. Zum Glück lebt meine Mutter in Hamburg und konnte einspringen, wenn ich länger im Büro bleiben musste oder die Kinder mal krank waren. Kitas mit Öffnungszeiten bis 16 Uhr gab es damals nur selten. Deshalb war sie in vielen Situationen meine Rettung.

 

Levke Timmann ist Geschäftsführerin bei For Sale Digital, einer Online Agentur in Hamburg. Wie familienfreundliche Personalpolitik, Diversity, Work Life Balance, flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle funktionieren, das erzählt sie uns im Working-Mom Interview auf FAMILICIOUS.de

 

HABEN DIESE ERFAHRUNGEN DEINEN FÜHRUNGSSTIL BEEINFLUSST?

Ich weiß gar nicht, ob meine Erfahrungen als Mutter da so eine große Rolle gespielt haben. Ich hatte irgendwann das Glück, mehr Verantwortung im Personalbereich übernehmen zu können. Da habe ich dann einfließen lassen, was mir selbst wichtig ist: Ich bin ein Mensch, der es gerecht mag. Und 60-Stunden-Wochen und unbezahlte Überstunden sind für mich nicht in Ordnung. Dazu habe ich schon früh bemerkt, dass eine enge Mitarbeiterbindung wichtig für ein Unternehmen ist. Ich habe das immer ganzheitlich gesehen: Wenn die Mitarbeiter gerne kommen und nicht so schnell wieder kündigen, ist das gut für die Agentur. Ich bin überzeugt: eine familienfreundliche Personalpolitik zahlt sich am Ende immer aus.

 

For Sale Digital, eine Online Agentur in Hamburg zeigt, wie familienfreundliche Personalpolitik, Diversity, Work Life Balance, flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle funktionieren. Das Working-Mom Interview mit Geschäftsführerin Levke Timmann auf FAMILICIOUS.de

 

WAS MACHT FOR SALE DIGITAL, UM ELTERN IM JOB ZU UNTERSTÜTZEN?

Das Wichtigste: Wir unterscheiden nicht zwischen Männern und Frauen, Eltern und Nicht-Eltern. Bei uns haben alle Mitarbeiter die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit flexibel an ihre Lebenssituation anzupassen.

Teilzeitmodelle sind deshalb keine Ausnahme. Von den rund 45 Mitarbeitern hier in Hamburg arbeiten 10 in Teilzeit. Und das sind nicht nur Mütter. Fünf Mitarbeiter machen zusätzlich zu ihrem Job noch etwas Anderes – sie studieren oder arbeiten an eigenen Projekten. Denn nicht nur Eltern wollen Stunden reduzieren. Diesen Wunsch haben viele Menschen, wenigstens zeitweise.

Und Elternzeit wird bei uns von Frauen und von Männern genommen. Denn alle wissen, das führt bei For Sale Digital zu keinem Karriereknick. Ein Vater hat gerade sechs Monate Elternzeit gemacht. Zwei Monate nehmen eigentlich alle Väter, manche mehr. Die Organisation von Elternzeiten generell – egal ob für Mütter oder Väter – ist für uns wie für alle anderen Arbeitgeber natürlich durchaus eine Herausforderung. Aber wir möchten unsere Mitarbeiter in ihrer persönlichen Lebensplanung unterstützen und für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft sorgen. Dabei hilft es, Mütter und Väter in dieser Hinsicht gleichzustellen.

Wichtig ist uns weiter: Überstunden werden durch Freizeit ausgeglichen. Dafür sorgt ein Stundenkonto, in das täglich Plus- oder Minus-Stunden eingetragen werden. Außerdem kann jeder Mitarbeiter seine Arbeitszeit eigenverantwortlich verwalten. Wir sehen keinen Sinn darin, die Zeit am Arbeitsplatz abzusitzen. Wenn viel zu tun ist, fassen alle mit an, wenn wenig los ist, gehen unsere Mitarbeiter früher nach Hause oder kommen auch mal später. Diese eigenverantwortliche Arbeitseinteilung funktioniert bei uns sehr gut. Aber natürlich ist es gerade am Anfang nicht immer leicht, das in die Köpfe reinzubekommen. Viele bemessen den Wert ihrer Arbeit in ihrer Anwesenheit. Da muss ein Wechsel im Kopf stattfinden.

 

Levke Timmann ist Geschäftsführerin bei For Sale Digital, einer Online Agentur in Hamburg. Wie familienfreundliche Personalpolitik, Diversity, Work Life Balance, flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle funktionieren, das erzählt sie uns im Working-Mom Interview auf FAMILICIOUS.de

 

WARUM TUN SICH SO VIELE AGENTUREN SCHWER DAMIT, FLEXIBLE ARBEITSZEITEN UND ATTRAKTIVE TEILZEITMODELLE ANZUBIETEN?

Viele Agenturen erzielen Gewinne durch die Überstunden der Mitarbeiter. Und das macht es schwierig, Teilzeitmodelle anzubieten – denn Eltern können oder wollen das häufig nicht leisten. Sie müssen pünktlich an der Kita sein oder haben den Wunsch, ihre Kinder abends ins Bett zu bringen. Deshalb wird eine Mutter, selbst wenn sie Vollzeit arbeitet, der Agentur in der Regel nicht mehr als 40 Stunden zur Verfügung stehen.

Dazu gibt es noch immer Vorurteile, verantwortungsvolle Jobs könnten auf Teilzeitbasis nicht richtig ausgefüllt und gut erledigt werden. Zum Beispiel werden im Projektmanagement kaum Teilzeitkräfte eingestellt, aus Angst, Kunden könnten sich darüber beschweren. Wir haben da positive Erfahrungen gemacht. Von den sechs Product Ownern bei uns in der Agentur arbeiten zwei in Teilzeit. Und schließlich findet auch auf Kundenseite ein Wandel statt. Auch hier gibt es Mitarbeiter, die mit reduzierten Stunden arbeiten und keine Erreichbarkeit rund um die Uhr mehr erwarten.

Damit das klappt, ist aber nicht nur Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein von Seiten der Agentur nötig. Dieselbe Flexibilität und die Bereitschaft, die Verantwortung für ihre Aufgaben zu übernehmen, erwarte ich auch von unseren Mitarbeitern. Dabei geht es nicht darum, ständig Überstunden zu machen. Aber wenn ich zum Beispiel weiß, dass nächste Woche nachmittags ein wichtiger Kundentermin stattfindet, der sich nicht anders legen lässt, sollte in solchen Ausnahmefällen die Kinderbetreuung auch mal anders organisiert werden. Gute Voraussetzung hierfür sind die verbesserten Betreuungsangebote. Bei Kita-Öffnungszeiten bis 16 oder 18 Uhr bekommen die meisten Eltern das gut hin.

 

Levke Timmann ist Geschäftsführerin bei For Sale Digital, einer Online Agentur in Hamburg. Wie familienfreundliche Personalpolitik, Diversity, Work Life Balance, flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle funktionieren, das erzählt sie uns im Working-Mom Interview auf FAMILICIOUS.de

 

WAS DENKST DU, WARUM GIBT ES NOCH IMMER SO WENIG FRAUEN, DIE MIT KIND KARRIERE MACHEN?

Ich glaube, da spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Zum einen gibt es in der Gesellschaft häufig nach wie vor eine Barriere im Kopf – da heißt es, sich für Karriere oder Kind zu entscheiden. Zum anderen sind Frauen oft zurückhaltender, wenn es um das Thema Karriere geht. Manche Frauen wollen auch gar keine Karriere machen, sondern lieber mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen – und das ist auch okay, finde ich. Und dann ist es natürlich auch schwierig, Kinder und Karriere zu vereinbaren. Mit kleinen Kindern muss man dazu bereit sein, sich durchzukämpfen, darf sich nicht entmutigen lassen.

Die Väter übernehmen oft die Verantwortung nicht gleichberechtigt. Das liegt nicht immer nur an den Männern. Manchmal sind es auch die Frauen, die Dinge nicht abgeben wollen.

Dazu scheuen sich viele Unternehmen, Mütter einzustellen – oder Frauen, die noch Kinder bekommen könnten. Denn als Arbeitgeber musst du einen Plan B haben, wenn du mit Frauen arbeitest. Du musst einplanen, dass eine Frau schwanger wird und erst einmal ausfällt. Deshalb ist es sehr hilfreich, dass immer mehr Männer Elternzeit machen. Wenn beide – Mütter und Väter – in Zukunft Elternzeit nehmen und auch die Kinderbetreuung gleichberechtigt unter sich aufteilen, dann macht es keinen Unterschied mehr, ob ich eine Stelle mit einem Mann oder einer Frau besetze. Das wäre ein großer Schritt.

 

For Sale Digital, eine Online Agentur in Hamburg zeigt, wie familienfreundliche Personalpolitik, Diversity, Work Life Balance, flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle funktionieren. Das Working-Mom Interview mit Geschäftsführerin Levke Timmann auf FAMILICIOUS.de

 

WIE WIRD SICH DIE ARBEITSWELT IN DEN KOMMENDEN JAHREN VERÄNDERN?

Die Menschen wollen flexibler arbeiten – nicht nur im Hinblick auf die Arbeitszeit, sondern auch auf den Ort. Strategien zu entwickeln, wie man flexibel und trotzdem gut zusammenarbeitet, das wird uns weiter herausfordern. Fest steht: Es müssen keine Meetings mehr abgesagt werden, weil jemand nicht vor Ort ist. Die Technik macht das möglich. Die Sperre dafür ist häufig nur noch im Kopf der Menschen.

Außerdem gehe ich davon aus, dass auch die Arbeitszeiten an sich reduziert werden. Einige Unternehmen probieren es bereits aus und stellen fest, dass ihre Mitarbeiter beispielsweise mit 30 Arbeitsstunden die Woche rentabel arbeiten und dabei wesentlich motivierter sind. Und wenn mehr Mütter und Väter gleichberechtigt 30 Stunden im Job tätig sind, haben sie die Möglichkeit sich 50/50 um ihre Kinder zu kümmern.

 

Levke Timmann ist Geschäftsführerin bei For Sale Digital, einer Online Agentur in Hamburg. Wie familienfreundliche Personalpolitik, Diversity, Work Life Balance, flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle funktionieren, das erzählt sie uns im Working-Mom Interview auf FAMILICIOUS.de

 

EIN KOMPLIMENT: WELCHE SKILLS HABEN ELTERN GEGENÜBER NICHT-ELTERN?

Gerade wir Eltern haben oft eine gewisse Gelassenheit, die auch im Job nicht schaden kann. Wir wissen, was alles passieren kann und gehen entspannter an Themen ran. Wenn das Kind schreiend auf dem Boden liegt, hilft es ja auch nicht, sich aufzuregen. Genauso ist es manchmal im Umgang mit Kunden oder Kollegen. Gelassenheit ist da schon die halbe Miete.

 

Levke Timmann ist Geschäftsführerin bei For Sale Digital, einer Online Agentur in Hamburg. Wie familienfreundliche Personalpolitik, Diversity, Work Life Balance, flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle funktionieren, das erzählt sie uns im Working-Mom Interview auf FAMILICIOUS.de

 

Foto: Die Portraitfotos von Levke hat die Hamburger Fotografin Christine Liebold gemacht. Tini, lieben Dank dafür!

 

 

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