Sarah Fix-Bähre hat einen ziemlichen Traum-Job: Sie ist Managerin bei Google in Hamburg. Hier leitet sie in Teilzeit (34 Stunden pro Woche) ein Team von sechs Mitarbeitern. Zusätzlich engagiert sie sich für das Thema Diversity, das bei Google großgeschrieben wird. Und sie ist Mutter von einem dreijährigen Sohn. Den betreut sie unter der Woche alleine, denn ihr Mann arbeitet in Oldenburg. Wie sie es schafft, das alles hinzubekommen, das erzählt sie uns. Liebe Sarah, gib uns was ab von deiner Super-Power!

 

Google Hamburg: Interview mit Managerin Sarah Fix-Bähre zum Thema Teilzeit, Kind und Karriere; Work Life Balance und Diversity auf FAMILICIOUS.de

 

SARAH, DU BIST MANAGERIN BEI GOOGLE IN TEILZEIT – WIE SCHAFFST DU ES, KIND UND KARRIERE UNTER EINEN HUT ZU BRINGEN?

Bei mir war das ein Lernprozess. Ich habe immer viel Zeit und meine gesamte Energie in den Job investiert. Dann bin ich schwanger geworden und habe gedacht: Kein Problem, das Kind mache ich dann eben noch on top. Dass das nichts wird, habe ich schon während der Elternzeit gemerkt. Durch meinen Sohn habe ich sehr schlecht geschlafen. Da ist mir klargeworden: jetzt noch den Job dazu, das würde nicht klappen.

Trotzdem wollte ich auch mit Kind weiter Karriere machen. Ich habe deshalb angefangen, ganz klare Anforderungen zu formulieren – an mich, meinen Arbeitgeber und mein Umfeld. Die wichtigsten Punkte: Ich wollte nach neun Monaten in den Job zurückkehren. Und ich wollte in Teilzeit arbeiten, um den Mittwoch für mich und die Familie frei zu haben. Die restlichen Tage wollte ich dafür komplett im Büro sein, um mich ganz auf den Job zu konzentrieren.

 

Sarah Fix-Bähre ist Managerin bei Google in Teilzeit. Wie sie es schafft, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen, was sie zu den Themen Frauenquote, Diversity, Work Life Balance und Vereinbarkeit denkt und warum gerade Google ein so toller Arbeitgeber für Mütter ist - mehr im Working-Mom Interview auf FAMILICIOUS.de

 

DEIN MANN UND DU, WIE ORGANISIERT IHR EUREN ALLTAG?

Im ersten Jahr nach meiner Rückkehr in den Job hat mein Mann sich die meiste Zeit um unseren Sohn gekümmert. Er hat in der Zeit freiberuflich gearbeitet und konnte seine Arbeit flexibel einteilen. Das war sehr hilfreich, weil ich mich so voll dem Job widmen konnte. Wenn unser Sohn krank war, hat mein Mann ihn abgeholt und er hat ihn auch jeden Tag zur Kita gebracht.

Jetzt hat mein Mann eine Stelle in Oldenburg, bei der er oft über Nacht weg ist. Anfangs habe ich gedacht: Na gut, dann betreue ich unseren Sohn morgens und abends eben alleine. Doch dann habe ich eingesehen, dass das nicht klappen wird. Schließlich sind meine Tage auch so schon ziemlich vollgepackt und ich bin häufig beruflich unterwegs. Wir haben deshalb eine ganz tolle Kinderfrau eingestellt. Sie kommt dreimal in der Woche morgens und unterstützt mich. Ich bin dann meist auch da, aber ihre Anwesenheit schafft Ruhe und ich gerate nicht ins Trudeln, wenn der Flieger zum Termin doch schon um 7 Uhr geht. Dazu helfen uns die Omas und Opas an den Nachmittagen. Mir ist dabei immer sehr bewusst, wie privilegiert wir sind, dass wir uns Hilfe leisten können und die Familie in der Stadt haben und dass mein Modell nicht einfach übertragbar ist – da haben wir großes Glück.

 

Sarah Fix-Bähre ist Managerin bei Google in Teilzeit. Wie sie es schafft, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen, was sie zu den Themen Frauenquote, Diversity, Work Life Balance und Vereinbarkeit denkt und warum gerade Google ein so toller Arbeitgeber für Mütter ist - mehr im Working-Mom Interview auf FAMILICIOUS.de

 

HAT DICH DAS MUTTER-SEIN IM JOB VERÄNDERT?

Bestimmt. Früher habe ich immer gedacht, wenn ich den nächsten Schritt nicht innerhalb von kürzester Zeit mache, dann ist alles aus. Da bin ich entspannter geworden. Objektiv messbarer Erfolg hat für mich eine andere Relation bekommen.

Ich arbeite auch fokussierter, konzentriere mich noch mehr auf die wichtigen Dinge. Wenn du weniger Zeit hast, bist zu gezwungen, Unwichtiges einfach wegzulassen.

Ich glaube auch, ich habe mich als Teamleiterin weiterentwickelt. Ich bin empathischer geworden, habe gelernt auch mal loszulassen.

Dazu weiß ich viel besser, welche Bedingungen ich für Teammitglieder schaffen muss, die in Teilzeit arbeiten. Es waren bis vor kurzem drei Mütter in meinem Team. Wir haben uns immer dienstags zum Frühstück getroffen, und dabei geredet und geklärt, was bei jeder von uns so ansteht. Wenn bei einer Kollegin gerade beide Kinder krank waren, haben wir ihre Aufgaben unter uns aufgeteilt.

 

Sarah Fix-Bähre ist Managerin bei Google in Teilzeit. Wie sie es schafft, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen, was sie zu den Themen Frauenquote, Diversity, Work Life Balance und Vereinbarkeit denkt und warum gerade Google ein so toller Arbeitgeber für Mütter ist - mehr im Working-Mom Interview auf FAMILICIOUS.de

 

WARUM IST ES SO SCHWIERIG, IN TEILZEIT KARRIERE ZU MACHEN?

In Deutschland wird Präsenz noch immer sehr stark bewertet. Um Karriere zu machen, musst du permanent verfügbar sein und möglichst viele Stunden arbeiten. Aber warum eigentlich? Mitarbeiter sollten an ihren Ergebnissen gemessen werden. In wie vielen Stunden sie die erzielen, ist doch egal. Es kommt dann zu Aussagen wie „Führen in Teilzeit? Das geht nicht!“. Das ist aber Quatsch, da glaube ich nicht dran.

Die Frauenquote auch auf den mittleren Ebenen wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Denn sie würde ein diverseres Bild von Erfolg schaffen. Es würden neue Rollenmodelle entstehen: What you can see, you can be. Und zwar für beide Geschlechter: Schließlich wollen nicht nur Mütter flexibler arbeiten und trotzdem Karriere machen. Es gibt auch Männer, die sich mehr Freiheiten im Job wünschen und trotzdem führen wollen. Und natürlich gilt das auch für Menschen ohne Kinder. Ich finde, jeder sollte flexibler arbeiten können. Das Nahziel ist es, dass Teilzeit in der Karriere kein Nachteil ist. Das Fernziel wäre aber für mich, dass niemand mehr in Teilzeit arbeiten muss, sondern Firmen so flexibel sind, dass Familie und Job wirklich vereinbar sind. Ich glaube fest daran, dass wir dahin kommen, und beobachte, dass sich da gerade sehr viel in die richtige Richtung entwickelt.

 

Sarah Fix-Bähre ist Managerin bei Google in Teilzeit. Wie sie es schafft, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen, was sie zu den Themen Frauenquote und Vereinbarkeit denkt und warum gerade Google ein so toller Arbeitgeber für Mütter ist, das erzählt sie uns im Interview - FAMILICIOUS.de

 

WARUM IST ES FÜR FRAUEN SO SCHWIERIG, KARRIERE UND KINDER ZU KOMBINIEREN. MÄNNER BEKOMMEN DAS DOCH AUCH HIN.

Ich glaube, der überwiegende Erziehungsanteil liegt noch immer bei den Frauen. Das ist leider immer noch das vorherrschende Rollenmodell. Und dadurch haben Frauen automatisch diese Doppelbelastung. Also privat kenne ich ganz wenige Paare, die sich die Aufgaben zuhause wirklich 50:50 teilen. Die waren vor den Kindern total gleichberechtigt, dann mit dem Kind kam die traditionelle Rollenverteilung. Das passiert bei den aufgeklärtesten Leuten. Ich glaube, wenn es sich im Privaten nicht ändert, wird es auch schwierig für Frauen, sich im Beruf mehr zu engagieren.

 

WIE KÖNNEN MÜTTER NOCH BESSER IN PUNCTO KARRIERE UNTERSTÜTZT WERDEN?

Wichtig sind Rollenmodelle. Du brauchst jemanden, an dem du dich orientieren kannst. Und die Vorurteile, die Viele arbeitenden Müttern gegenüber haben, müssen weg. Das betrifft die gesamte Gesellschaft. Da muss sich wirklich etwas ändern.

Dazu brauchen wir mehr Flexibilität. Ich glaube, wenn du in einem Unternehmen arbeitest, wo du von 9.00 bis 19.00 Uhr anwesend sein musst, dann wird es schwer, als Eltern weiter Karriere zu machen. Aber das muss ja nicht so sein. Bei mir im Team hat zum Beispiel eine Mutter Vollzeit gearbeitet, ist aber trotzdem jeden Tag schon um 15.30 Uhr gegangen, um ihre Kinder abzuholen. Ihre Arbeit hat sie dann später weitergemacht. Das ist für sie bestimmt anstrengend gewesen, aber es war ihr Modell.

 

Sarah Fix-Bähre ist Managerin bei Google in Teilzeit. Wie sie es schafft, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen, was sie zu den Themen Frauenquote, Diversity, Work Life Balance und Vereinbarkeit denkt und warum gerade Google ein so toller Arbeitgeber für Mütter ist - mehr im Working-Mom Interview auf FAMILICIOUS.de

 

DAS HEISST SIE HAT NOCH SPÄTABENDS ODER FRÜHMORGENS GEARBEITET?

Zum Teil ja. Aber da sind gute Führungskräfte wichtig, die bei der Aufgabenverteilung darauf achten, wer in welcher Lebensphase zeitlich wie viel leisten kann. Ich habe früher auch mal Nächte durchgearbeitet und heute mach ich das eben nicht mehr. Das heißt nicht, dass ich heute weniger leiste. Work Life Balance bedeutet in jedem Lebensabschnitt eben etwas Anderes.

 

Sarah Fix-Bähre ist Managerin bei Google in Teilzeit. Wie sie es schafft, Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen, was sie zu den Themen Frauenquote, Diversity, , Work Life Balance und Vereinbarkeit denkt und warum gerade Google ein so toller Arbeitgeber für Mütter ist - mehr im Working-Mom Interview auf FAMILICIOUS.de

 

WAS TUT GOOGLE, UM MÜTTER BEI IHREN KARRIEREN ZU UNTERSTÜTZEN?

Was ich dem Unternehmen wirklich hoch anrechne: Es wird kein Unterschied gemacht. In meinem Team arbeitet die Hälfte der Mitarbeiter in Teilzeit. Themen wie „Du wirst jetzt nicht befördert, weil du Mutter bist“, gibt es hier nicht. Ich bin zum Beispiel ein Jahr nach der Elternzeit in Teilzeit befördert worden. Das ist meiner Meinung nach das Beste, was ein Unternehmen tun kann, um Mütter zu fördern.

Und es wird viel gemacht, um Frauen zu unterstützen. Es gibt zum Beispiel Vocal Coachings oder Präsentationstrainings, die speziell für Frauen sind. Dazu wird darauf geachtet, dass Frauen bei Beförderungen nicht übergangen werden. Und wir machen viel Networking. Das fehlt Frauen im Job leider oft. Wir haben eine große Women at Google-Gruppe. Da veranstalten wir interne und externe Veranstaltungen. Zuletzt eine Veranstaltung mit Woman in Digital, bei der wir 120 Firmengründerinnen und Marketing-Chefinnen zu uns ins Office eingeladen haben.

 

Google Hamburg: Interview mit Managerin Sarah Fix-Bähre zum Thema Teilzeit, Kind und Karriere; Work Life Balance und Diversity auf FAMILICIOUS.de

 

HAND AUFS HERZ: BIST DU KAPUTT?

Ja, mir geht es da sicher nicht anders als vielen Menschen, die Arbeit und Familie vereinbaren wollen. Im ersten Jahr nach der Elternzeit habe ich den Fehler gemacht – mit dem alten Arbeitsmodell im Kopf und dem Kind dazu – zu wenig Zeit für mich einzuplanen. Irgendwann habe ich gemerkt, wie meine Energie von Woche zu Woche schwindet. Ich habe dann eine Grippe verschleppt, was mich dazu gezwungen hat, weniger zu arbeiten.

Jetzt plane ich Pausen proaktiv und rechtzeitig ein und warte nicht erst darauf, dass mein Kalender sie hergibt. Im Monat gibt es zum Beispiel drei Wochen, in denen ich viel reise. In der vierten Woche bleibe ich bewusst in Hamburg, gehe früher nach Hause und treffe Freunde zum Lunch. Das ändert an der Gesamtproduktivität nichts, ich habe aber Erholungsphasen. Wie mein Vorgesetzter es einmal sehr gut auf den Punkt gebracht hat: Das Maximum ist nicht das Optimum. Das war ein wichtiger Lernprozess für mich.

 

Google Hamburg: Interview von Verena Haegermann mit Managerin Sarah Fix-Bähre zum Thema Teilzeit, Kind und Karriere; Work Life Balance und Diversity auf FAMILICIOUS.de

 

HAST DU NOCH TIPPS FÜR ARBEITENDE MÜTTER? WAS KANN DABEI HELFEN, BESSER IM JOB KLAR ZU KOMMEN?

Ich beobachte ganz oft, dass Frauen sich zu viel entschuldigen. Du musst nicht immer sagen, ich gehe jetzt früher, weil ich mein Kind abholen muss. Du gehst einfach (erst recht, wenn Du ja offiziell in Teilzeit arbeitest!). Entschuldige Dich nie für das Modell, für das Du dich entschieden hast. Du fragst auch nicht, ob du 15 Minuten um den Block gehen darfst, du machst es einfach.

Du musst dir Pausen einbauen. Wenn du zu viel zu tun hast, verlierst du ansonsten das Gefühl dafür, wie es dir gerade geht. Von meinem Coach habe ich einen Trick gelernt: Ich habe einen Stein in meiner Tasche. Quasi einen Erinnerungsstein. Und immer, wenn ich ihn mit der Hand berühre, frage ich mich kurz: Wie geht es dir gerade? Sollte ich etwas trinken? Brauche ich frische Luft? Wenn man getrieben durch seinen Tag rennt, vergisst man oft die Kleinigkeiten, die einem helfen.

Und ich sage jeder Frau: „Hände weg von Mutti-Aufgaben!“ Das sind Dinge wie Protokolle schreiben oder Geburtstagsgeschenke besorgen. So was machen oft Mütter. Und dann glauben viele, es gäbe da eine Affinität. Das ist keine gute Mischung. Lieber diese zusätzliche Zeit in Projekte mit Businessrelevanz investieren und damit die eigene Karriere fördern. Und auch Männer können super Geburtstagsgeschenke kaufen.

 

Liebe Sarah, das war ein tolles Gespräch – vielen Dank dafür!

 

Google Hamburg: Interview von Verena Haegermann mit Managerin Sarah Fix-Bähre zum Thema Teilzeit, Kind und Karriere; Work Life Balance und Diversity auf FAMILICIOUS.de

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